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Flaschenformen spielen eine Rolle WELCHE?

Aktualisiert: 24. Apr. 2023


Weinflaschen in verschiedensten Formen und Größen hat jeder schon mal gesehen.

Dass manche schmal und dünn sind andere schwer und protzig könnte ein Marketing Gag sein. Ist es auch meistens ABER der Ursprung kommt woanders her.


FLASCHENVARIANZ


Junge Weine EGAL.

JEDOCH

Und zwar je älter sie sind, desto unterschiedlicher. Bei nicht identischen Lagerbedingungen (Temperatur, Licht) liegt das auf der Hand. Aber selbst bei einer 20 Jahre lang perfekt gelagerten Weins ist es extrem unwahrscheinlich, dass sich alle Flaschen noch absolut gleich präsentieren.

Denn eines ist klar: Auf lange Strecke machen sich selbst kleinste Unterschiede Dichtigkeit des Naturstöpsels deutlich bemerkbar. Ein auch nur minimal höherer Gasaustausch summiert sich so über die Jahre zu einem deutlichen Reifeunterschied. Bordeauxfreunde, die sich eine ganze Kisten ihres Lieblingsstoffs zugelegt haben, um den Verlauf der Reifung bis hin zur perfekten Moment zu beobachten, können da ein – nicht selten trauriges – Lied von singen. Nicht alle Flaschen reifen optimal. Dunkle Flaschen sind in der Regel immer besser. Die Form spielt bei wichtigen Weinen eine Rolle, eine kleine aber es verändert. Schon lange hat man von physikalischen Veränderungen geredet, selten konnte man dies bei Wein nachweisen. Man weiss aber dass die Säure im Wein sich in unterschiedlichen Flaschen anders verhält. Formensprache. Lichtundurchlässigere Flaschen in violett wären die BESTEN.



Die Burgunder- Flasche

Die Burgunder-Flasche existiert seit dem 19. Jahrhundert und ihre bauchige Form mit den simpel geschwungenen Seiten kam zustande, da sie schlichtweg sehr einfach durch die Glasbläser herzustellen war. Da diese Flaschenform als erstes von Winzern im Burgund eingesetzt wurde, bekam sie bald das Erkennungszeichen für Weine aus Pinot Noir und Chardonnay. Als diese beiden Rebsorten auch andernorts erfolgreich angebaut wurden, übernahm man die Tradition die Weine in Burgunder-Flaschen abzufüllen – so auch bei den meisten Spätburgundern.

Heutzutage beschränkt sich der Einsatz der Weinflaschen aber nicht mehr nur auf diese beiden Rebsorten. Auch die italienischen Barbaresco und Barolo aus der Nebbiolo-Traube werden in ähnlichen Burgunder-Flaschen gefüllt. Zudem machen es sich viele Winzer zum Prinzip Weine, die stilistisch eher einem Pinot Noir nachempfinden, in eine Burgunderflasche zu füllen. Doch schmeckt man auch unterschiede? Burgunder in Riesling Flaschen?....




Die Bordeaux- Flasche


Durch die Verbreitung der ersten Burgunder-Flaschen wurde es für die Winzer des konkurrierenden Bordeaux enorm wichtig, eine Flaschenform zu etablieren, die sich auf den ersten Blick von den Flaschen aus dem Burgund unterscheidet. Den größten optischen Unterschied bilden die „Schultern“ der Flasche direkt unterhalb des Flaschenhalses. Experten streiten darüber, ob diese Ausbuchtungen ursprünglich erdacht wurden, um Sedimente im Wein zu sammeln, damit diese beim Dekantieren besser zurückhalten werden. Ich persönlich glaube, dies ist nur ein zufälliger Nebeneffekt, und es ging tatsächlich nur um die deutliche Differenzierung zum Burgund. Es wundert nicht, dass praktisch alle Weine aus Bordeaux-Rebsorten wie Merlot und Cabernet Sauvignon in dieser Flaschenform abgefüllt werden. Aber auch Weine anderer Rebsorten werden weltweit am häufigsten in Bordeaux-Flaschen verkauft wie der Chianti oder Rioja.




Die Riesling- Flasche

Der Ursprung dieser schlanken Flaschenform liegt in Deutschland und sie kam erstmalig bei Riesling-Weinen aus dem Elsass und von der Mosel zum Einsatz. Heute werden praktisch alle Weine aus dem Elsass in Schlegelflaschen gefüllt – egal ob Rotwein oder Weißwein. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist diese Flasche bei Weißweinen die mit Abstand am häufigsten eingesetzte Form.

Historisch betrachtet kam die hohe, schlanke Form wohl zustande, da die Haupttransportroute der Rhein war und es galt den verfügbaren Raum auf den vergleichsweise kleinen Fluss-Schiffen möglichst effektiv zu nutzen. Die etwas zerbrechlichere Form stellte dabei kein Problem dar, denn man musste nicht mit dem Wellengang rechnen, den man beim Bordeaux-Transport über See zu erwarten hatte.

Übrigens: Eine etwas in Vergessenheit geratene Tradition sorgte zumindest innerhalb Deutschlands trotz gleicher Flaschenform für Unterscheidbarkeit. So geben sich Riesling-Weine vom Rhein durch die braune Flaschenfarbe zu erkennen und das Pendant von der Mosel ist anhand des grünen Glases zu identifizieren.



Die Champagner- Flasche


Streng genommen ist eine Champagner-Flasche eine Sonderform der Burgunder-Flasche, doch gibt es bei genauerer Betrachtung einige Unterschiede: Sie ist in der Regel dickwandiger als die normal ausgeführte Burgunder-Flasche. Der Grund dafür sind die höheren Druckverhältnisse, die in einer Schaumwein-Flasche herrschen. Stichwort Flaschengärung. Der typische, nach innen gewölbte Boden dient erst in zweiter Linie zur Ablage des Daumens beim standesgemäßen Einschenken. Ursprünglich entstand er durch das Glasblasen auf einem gedrehten Stab. Und die Wölbung besitzt einen weiteren Vorteil für eine Schaumweinflasche: Der Druck wird dadurch gleichmäßiger auf die Seitenwände der Flasche verteilt. Das Risiko eines Überdrucks wird so vermindert.

Champagner-Flaschen kommen heutzutage bei dem Großteil alles Schaumweine zum Einsatz.



Die Bocksbeutel- Flaschen

Der Bocksbeutel ist eine typische Flaschenform und -ausführung in der Weinregion Franken. Bereits 1726 beschloss man die besten Weine des Würzburger Bürgerspitals durch eine besondere Flaschenform kenntlich zu machen, um so gegen die weit verbreitete Weinpanscherei angehen zu können. Der Bocksbeutel war geboren! Seitdem ist die Flaschenform Synonym für das Weinland Franken und wird heutzutage insbesondere bei Weinen aus Silvaner eingesetzt. Erstmalig wurde der Bocksbeutel übrigens Ende 2015 leicht modernisiert, indem die Kanten der Flasche etwas eckiger wurden.



PROST nv

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